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16.09.2016

Wenn Schulden die Karriere gefährden

Das Projekt „Finance-4-U“ des SKM Dortmund e.V. unterstützt junge Menschen bei ihrem Umgang mit den eigenen Finanzen und hilft Wege aus der Schuldenfalle aufzuzeigen.

Larissa Jakobsmeyer in der Beratung

Wer Schulden hat, ist selbst schuld – so lautet immer noch die vorherrschende Meinung in der Gesellschaft, wenn es um das Thema Schulden geht. Nicht selten wird den Schuldnern schlechter Umgang mit den eigenen Finanzen oder übertriebenes Kaufverhalten vorgeworfen. Dass nicht jeder an seiner Überschuldung selber schuld ist, diese Erfahrung macht Larissa Jakobsmeyer täglich bei Ihrer Arbeit. Die junge Frau ist Schuldnerberaterin beim SKM Dortmund e.V. und leitet seit über einem Jahr das Projekt „Finance-4-U“ am Karl-Schiller-Berufskolleg, das junge Menschen präventiv beim Umgang mit den eigenen Finanzen berät. Dabei hat Larissa Jakobsmeyer häufig mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun, die durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in die Schuldenfalle gerutscht sind. Zwei von ihnen, der 21-jährige Adam und die 27-jährige Janine, haben über ihre Situation gesprochen und erzählt, wie sie mithilfe der Beratung von „Finance-4-U“ einen Weg aus ihrer Schuldensituation gefunden haben.

Vielen Dank, dass Sie beide bereit sind über Ihre Situation zu sprechen. Wie geht es Ihnen heute?

Adam: Heute geht es mir tatsächlich wieder gut, das hätte ich vor wenigen Monaten noch nicht gedacht.

Janine: Mir geht es ähnlich. Zum ersten Mal seit langem habe ich wieder eine Zukunftsperspektive. Zurzeit hole ich mein Abitur nach.

Das ist ja wirklich schön. Dabei sah es vor einiger Zeit noch nicht so gut aus. Können Sie sich noch erinnern, wann Sie das erste Mal mit dem Thema „Schulden“ konfrontiert waren?

Janine: Das ist schon etwas länger her. Ich war gerade volljährig geworden und habe unseren Telefon- und Internetanschluss über mich laufen lassen, weil meine Mutter bereits einen Schufa-Eintrag hatte. Dann sind wir irgendwann ausgezogen, der Vertrag lief aber weiter.

Und wie war es bei Ihnen, Adam?

Adam: Vor etwa einem Jahr konnte ich meine Gasrechnung aufgrund meines geringen Azubi-Gehalts nicht mehr zahlen. Ich befand mich damals im Gespräch mit dem Sozialamt, um mich zu erkundigen, was man hinsichtlich der Situation unternehmen könnte. Aber das Amt konnte nicht helfen.

Wie hat sich die Schuldensituation bei Ihnen dann weiter entwickelt?

Adam: Die Schulden wurden natürlich immer höher. Hinzu kamen weitere Mahnungen sowie Gas- und Stromrechnungen von über 1.000 Euro. In dieser Situation bin ich dann glücklicherweise auf Frau Jakobsmeyer und die Schuldnerberatung aufmerksam geworden.

Janine, bei Ihnen hat sich die Schuldensituation etwas länger hingezogen. Können Sie uns davon erzählen.

Janine: Während meiner vorherigen Ausbildung habe ich zusätzlich Kindergeld und Halbwaisenrente bezogen. Nach vorzeitiger Beendigung der Ausbildung habe ich die Bezüge einfach weiter erhalten und dachte, dies sei korrekt, da ich das Jobcenter informiert hatte. Tja, und irgendwann hat das Amt den Fehler bemerkt und wollte das ganze Geld auf einmal wiederhaben. Das hatte ich aber natürlich schon ausgegeben.

Wie ging es Ihnen damals?

Janine: Mir war eigentlich schon bewusst, dass ich Hilfe brauche, weil ich mit den Schulden in Höhe von etwa 12.000 Euro allein überfordert war. Aber zum damaligen Zeitpunkt kannte ich keine Anlaufstelle, die mich nichts kosten würde. Frau Jakobsmeyer kam dann irgendwann zu uns in die Berufsschule und hat sich in meiner Klasse vorgestellt. Mit ihrer Unterstützung haben wir dann eine Möglichkeit gefunden, meine Situation stetig zu verbessern.

Frau Jakobsmeyer, die nächste Frage möchte ich kurz an Sie stellen. Wie sahen die ersten Schritte aus, nachdem Sie mit Janine gesprochen hatten?

Larissa Jakobsmeyer: Wir haben uns ihre Situation zuerst einmal ganz genau angeschaut und gemeinsam einen Haushaltsplan erstellt, um zu schauen, an welchen Stellen mögliche Probleme liegen oder wo man am ehesten sparen kann. Letztlich haben wir uns in Janines Fall entschieden, aufgrund der hohen Überschuldung das Insolvenzverfahren anzustreben.

Wie sah es in Adams Fall aus?

Larissa Jakobsmeyer: Zum Zeitpunkt des Erstgesprächs waren sowohl Gas- als auch Stromanschluss bereits abgeklemmt und Mietschulden aufgelaufen. Kurze Zeit später verlor Adam seinen Ausbildungsplatz. Wir haben uns deshalb zunächst um die Existenzsicherung gekümmert. Wir haben mit dem Jobcenter und dem Sozialamt bezüglich eines Darlehens gesprochen und die Anbieter informiert, dass etwas unternommen wird. Der erste Schritt sieht immer so aus, dass wir uns einen Überblick über die Situation verschaffen und zuerst dort ansetzen, wo es besonders akut ist.

Oft hört man ja den Satz „Wer Schulden hat, ist selbst schuld.“ Ihre Fälle zeigen aber, dass auch eine Verkettung unglücklicher Umstände schnell in die Schuldenfalle führen kann.

Janine: Bei mir war das in der Tat so, weil der Weg in die sogenannte Schuldenfalle ja bereits durch die Übernahme der Zahlungen meiner Mutter begonnen hat. Und wenn man erst einmal wirklich überschuldet ist, ist es natürlich auch sehr schwer, mit dem Geld richtig wirtschaften zu lernen.

Adam: Ich muss gestehen, dass ich auch mit daran schuld war. Obwohl ich bereits Mietschulden hatte, habe ich häufig im Internet eingekauft und irgendwann den Überblick verloren.

Larissa Jakobsmeyer: Aus diesem Grund wollen wir bei „Finance-4-U“ besonders über den richtigen Umgang mit den eigenen Finanzen aufklären. Gerade junge Menschen, die sich noch in der Ausbildung befinden, verfügen oft nur über ein geringes Einkommen. Und wenn sie davon schon die Miete, den Strom und das Gas zahlen müssen, sich aber natürlich auch ab und zu etwas leisten möchten, ist es ganz wichtig, dass sie den Überblick behalten und haushalten lernen, damit erst gar keine Schulden entstehen.

Janine: Viele junge Menschen wissen glaube ich nicht, wie leicht man in die Schulden hineinrutschen kann und wie schnell dann alles geht. Umso wichtiger, dass man sich möglichst früh über den richtigen Umgang mit den eigenen Finanzen informiert.

Ganz herzlichen Dank für das Interview.


Weitere Informationen zum Projekt „Finance-4-U“ finden Sie Öffnet externen Link in neuem Fensterhier.

 

 

 

 



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